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Heute möchte ich dir einmal erklären, warum wir wirklich Leiden und was da eigentlich genau in unserem Kopf, dem Verstand abläuft, wenn wir in einer stressigen Situation feststecken.

Wir Menschen leiden subtil oder bewusst, weil sich unser Verstand an eine Geschichte klammert. Eine Geschichte, die ihren Ursprung immer in der Vergangenheit hat und die wir in die Zukunft projizieren.

Ein lebendiges Beispiel aus der Praxis.

Als kleines Kind bin ich von einem Schäferhund angefallen und gebissen worden. Diese schlechte Erfahrung hat mich natürlich geprägt. Die Angst, dass es wieder passieren könnte ist auch heute noch immer mal wieder gegenwärtig.

Erst kürzlich begenete ich einem riesigen, schwarzen Hund - ich dachte erst schon, ein kleines Kalb würde dort aus dem Gebüsch kommen...

Als ich meinen Irrtum entdeckte stieg in mir der Gedanke auf ,,Hoffentlich schnappt der jetzt nicht zu..." und sofort kroch die Angst in mir empor.

Doch der Hundebiss kam nicht. Der Hund kam schwanzwedelnd auf mich zu und begrüßte mich freudig - wenig später stapfte dann auch sein Herrchen aus dem Gebüsch.

Deine Geschichte im Kopf, hat ihren Ursprung immer in der Verganhenheit und wird von dir in die Zukunft projeziert. So beginnt das Leiden. Immer. ~ Jörg Rüdebusch

Was war da also in meinem Kopf passiert?

Ich erinnerte mich (unterbewusst) an dieses negative Kindheitsereignis, an die Schmerzen, das ungute Gefühl und folgerte, dass es sehr wahrscheinlich sei, das dieses jetzt gerade wieder passieren würde.

In diesem  Zustand des Denkens, in dieser Geschichte die ich mir dort erzählte, war ich gefangen. Und ich war mein eigener Erbauer dieses Gefängnis, denn ich bin es gewesen, der diese Inszenierung in meinem Kopf entstehen ließ. Denn eines war Fakt: Die Realität sah ganz anders aus, als mein Kopfkino. Ich war keinem Monster von Hund begegnet, sondern einem friedliebenden Wesen, das meine Hand abschlapperte und sich freute, mich zu treffen. In meinem Kopf war Krieg, in der Wirklichkeit ein Akt der bedingungslosen Liebe...

Der Krieg gegen die Wirklichkeit

Wir Menschen, mich eingeschlossen, sind von Kindesbeinen an trainiert, die Dinge im Außen zu bewerten und in Kategorien und Konzepte zu packen. Dadurch entsteht sehr schnell ein verzerrtes Bild der Realität, also das, was wirklich gerade geschieht. Die Geschichten und Annahmen in unserem Kopf, wie doch bitteschön gerade etwas zu sein hat, oder welche Konsequenzen sich ergeben könnten, decken sich oftmals nicht mit der Realtität.

Wenn ich beispielsweise denken und glauben würde, mein Partner sollte sich mehr um mich kümmern und er tut es nicht, dann tut das weh.

Das ist Krieg gegen die Wirklichkeit. Mein Partner tut eben das, was er eben tut. (und das heisst nicht, dass ich ihn nicht darum bitten darf, sich mehr um mich zu kümmern). Wenn wir uns jetzt hier aber weiter in diese Geschichte "verrennen" würden und dächten:

" Die Beziehung wird scheitern"

"Ich habe auf den falschen Partner gesetzt"

usw... wird die Spirale des Leidens immer größer und die Kluft zwischen eigener Geschichte im Kopf und der Realtität immer größer. Das nennt man dann irgendwann Sorgen machen 😉

Raus aus der Box des Leidens.

Die Box des Leidens verlassen.

Jede Geschichte ist also nichts anderes als eine Leidens-Box, in die wir uns freiwillig begeben. Sie ist eng, unbequem und lässt uns nicht die ganze Kraft entfalten, die uns allen innewohnt. Im Grunde ist es so, als würde man einen LKW in eine Streichholzschachtel unterbringen wollen.

Die Leidens-Box kann den Namen Liebeskummer, Schulden, Krankheit, Kritik usw. tragen. Das Grundprinzip ist immer das gleiche. Du erschaffst dir dein eigenes Gedankengefängnis.

Und wenn du die Titelzeile vielleicht zuvor noch als provokant empfunden haben magst, sollte dir jetzt eines klar sein: Wenn dein Leiden freiwillig ist sind das im Grunde gute Neuigkeiten. Denn damit hast du die Möglichkeit, dich ganz einfach umzuentscheiden, die Box des Leidens zu öffnen und dich damit selbst sozusagen wieder in die Freiheit zu entlassen. Dazu brauchst du in erster Linie nur dich selbst. Es ist kein Schicksal, Pech oder eine Ungerechtigkeit des Lebens. Es ist einfach nur diese leidvolle Geschichte in deinem Kopf, die du dir immer wieder aufs neue erzählst. Du bist der Autor und kannst sie umschreiben oder sogar ausradieren.

Der Ausweg aus dem Leiden.

1. Bleibe in der Realtiät und orientiere dich daran.

In meinem Beispiel hat der Hund mich nie gebissen. Dieses Szenario fand nur in meinem Kopf statt. Ich hätte hier also besser denken können: ,,Ok - da ist dieser Hund, der mich nicht beißt, solange er mich nicht beißt - ich brauche also erst Angst haben, wenn es wirklich passiert." Anders gesagt: Schau hin was wirklich gerade jetzt in deiner Realität passiert. Vergleiche es mit deinem Denken. Die Realtität kannst du nicht ändern - aber dein Denken darüber. Das ist deine vielleicht größte Macht.

2. Den Wahrheitsgehalt eines Gedanken überprüfen

Gedanken sind harmlos solange wir sie nicht glauben. Prüfe den Gedanken, ob er tatsächlich wahr ist. Verstärken kannst du das ganze, indem du dich fragst: Wann habe ich diesen Gedanken zum allerersten mal gedacht? Wo entstand dieser stressige Gedanke?

3. Soforthilfe in stressigen Situationen

Wenn du das nächste mal wieder in einer absolut stressigen Situation bist, stelle dir diese eine Frage:

,,Was für eine interessante Situation ist das denn gerade?"

Das wird den Effekt haben, dass dein Verstand augenblicklich einen anderen Blickwinkel der fraglichen Situation erhält. Er muss ab jetzt nicht mehr Beweise dafür sammeln, wie aussichtstlos die gegenwärtige Situation ist, sondern was für Vorteile sie dir bringt? Warum ist sie interessant, neu, aufregend?

Probiere das einfach mal aus.

Jetzt wünsche dir dir viel Spaß beim Umsetzen.

Alles Liebe,

Dein Jörg

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